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"Die Österreichische Methode": Fünf junge Regisseure und ein Film (von Susanne Schmetkamp)

Hamburg/Köln (dpa) ­ Ein außergewöhnliches Experiment: Fünf Absolventen der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM) haben zusammen einen Film verwirklicht. Und zwar nicht als Episodenfilm, bei dem einzelne Geschichten wie getrennte Kurzfilme hintereinanderlaufen. Sondern als eine episodisch komplexe Einheit, zu der zwar jeder Regisseur sein eigenes Drehbuch schrieb und drehte, die sich aber als Ganzes präsentiert. Ein Kraftakt, wie einer der Fünf sagte. Es hat sich gelohnt. "Die Österreichische Methode" ist der gelungene Versuch, ein Thema (Selbstmord) aus verschiedenen Perspektiven zu zeigen, von tragisch über bizarr bis äußerst komisch.

"Wie würdest du dich umbringen, wenn du dich umbringen würdest?" lautet die erste Frage des Films, gestellt von Julia (Maja Beckmann). Sie ist die zentrale Figur der Episode nach Florian Mischa Böder, einem der fünf Filmemacher. Ratloses Gesicht, ein bisschen naiv, unbeholfen, schüchterne, rauchige Stimme, rosa Unterhemd - so sitzt Julia in ihrem Bett und fragt "nur mal so hypothetisch". "Na, auf die österreichische Methode", sagt ihr Freund. "Nachts volltrunken in den Alpen im Schnee einschlafen und im Schlaf erfrieren."

Gut, der Titel wäre damit erklärt. Von hier aus rollen mosaikartig im Stil von Robert Altmans Klassiker "Short Cuts" die Geschichten verschiedener junger Frauen ab. Denn darum geht es im Eigentlichen: fünf Frauen und ihre Konfrontation mit dem mehr oder weniger selbst gewählten Tod. Allesamt werden sie von hervorragenden Darstellerinnen gespielt, die auf ganz unterschiedliche Weise die Hauptfiguren der von den Regisseuren jeweils entwickelten Erzählstränge verkörpern. Die Besetzung des Films, auch die der männlichen Charaktere, trägt einen Großteil zu seinem Gelingen bei.

Cathérine Seifert zum Beispiel kämpft in ihrer Rolle der jungen Clara ergreifend mit der Diagnose Gehirntumor. Abweisend, undurchschaubar und verletzlich in ihrem Wesen, flieht sie vor dem Tod und wünscht ihn sich gleichzeitig herbei. Genauso wie die Liebe, die in Gestalt von Wolfgang auftaucht (ebenfalls hervorragend: Carlo Ljubek). Der lässt trotz des rätselhaften Verhaltens Claras nicht locker. Die Regisseurin dieses Parts, Erica von Moeller, reißt die Geschichte in den jeweiligen Szenen nur an, redet sie nicht platt, das ist ihr Verdienst.

Als Zuschauer muss man sich auf die besondere Erzählart des Films einlassen: Die vielen Figuren und angedeuteten Geschichten können anfangs auch überfordern. "Es war eine riesige Herausforderung, die Geschichten zusammenzubringen", erzählt Böder. Er und seine Kollegen Alexander Tavakoli, Peter Bösenberg, Gerrit Lucas und von Moeller schrieben ihre Drehbücher bereits 2004. Im Winter desselben Jahres wurde gedreht. Langwierig und kompliziert wurde es erst im Schnitt: Ein Jahr war man im Schneideraum, traf sich immer wieder zu Besprechungen. "Jeder von uns musste sich daran gewöhnen, dass er nicht wie sonst die volle Kontrolle über einen Film hatte."

Selten wird daher die Leistung von Kamera und Schnitt so deutlich wie hier: Die scharfen und geduldigen Bilder von Matthias Schellenberg wurden von Andreas Menn im Schnitt in einen Fluss gebracht. Zusammen - beide übrigens auch KHM-Absolventen - haben sie die unterschiedlichen Handschriften zu einer Komposition vereint.

Die Idee des Films als ein Ensembleprojekt aus Nachwuchsfilmemachern und -darstellern stammte von Produzent Tobby Holzinger, der damit seinen ersten Spielfilm verwirklichte. Der Streifen entstand in Koproduktion mit der Firma "Claussen+Wöbke+Putz" ("Lichter", "Trade") und mit Unterstützung der Filmstiftung Nordrhein- Westfalen.