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FILMECHO
Die Österreichische Methode
(von Thilo Wydra)

Fünf Regisseure, fünf Geschichten, eine Stadt, ein Film: Der Gruppenfilm "Die Österreichische Methode", bereits 2006 entstanden und auf den 40. Hofer Filmtagen erstaufgeführt, ist ein düsteres, beinahe schon pre-apokalyptisches Abbild einer zunehmend entmenschlichten und vereinsamenden Gesellschaft.
Fünf ehemalige Kölner Filmhochschüler - eine Frau und vier Männer - haben diese Episoden inszeniert und geschrieben. Episoden, die allesamt sehr unterschiedlich sind und doch um eine Thematik kreisen.
"Short Cuts" auf deutsch.

Man betrinkt sich, dann legt man sich in den Schnee, um einzuschlafen - für immer. "Die Österreichische Methode" nennt man diese Form des Selbstmords. Auf mal mehr und mal weniger konkreter und wieder abstrakter Ebene zieht sich diese Thematik leitmotivisch durch alle fünf Episoden dieses Gruppenfilms.

Da ist etwa die Geschichte von Julia, die sich eines nachts aufmacht, um in einer Ski-Sporthalle "Die Österreichische Methode" auszuprobieren. Irgendwann liegt sie da, rings um sie herum Flaschen, mitten im Schnee (Regie: Florian Mischa Böder). Oder jene des Paares Roman und Carmen Fischer, das Besuch erhält von Eva. Besuch, der irgendwann unerwünscht ist und partout nicht gehen will (Regie: Gerrit Lucas). Und die Erzählung über die junge und aparte Clara, die erfährt, dass sie einen Gehirntumor hat. Wie nur mit dieser Diagnose umgehen? Sie ignorieren? Sie akzeptieren? Oder doch vorbeugen, der Krankheit zuvorkommen, sich selbst das eigene Leben nehmen? (Regie: Erica von Moeller). Schließlich ist da noch die Geschichte der Sängerin Maleen und des Pianisten Sascha, deren Beziehung längst erstarrt scheint, was Maleen durch die Einnahme einer toxischen Tablette zu durchbrechen versucht (Regie: Peter Bösenberg). Und jene um Hans und Mona, die ein sadomasochistisches Verhältnis leben, das sich in einem Raum abspielt (Regie: Alexander Tavakoli).

Der Ensemblefilm "Die Österreichische Methode" ist dunkles, hoffnungsloses, schmerzliches und daher berührendes Kino.

Die fünf Regisseure sind in den 70er Jahren geboren und alle etwa Mitte 30. Das Lebensgefühl, das sie in ihren Episoden widerspiegeln ist ein Gefühl der Leere, der Überflüssigkeit und Einsamkeit. "Was überhaupt noch mit diesem Leben anfangen?" schwebt als Damokles-Schwert-Frage unbeantwortet im fiktionalen Lebensraum. Die Menschen in diesem Film scheinen die Antwort nicht zu wissen. Und einzig jene Episode von Alexander Tavakoli um das Fessel-Paar stört diesen melancholischen, traurig-schönen Reigen kleiner Lebensgeschichten.

Alle fünf Episoden sind von demselben Kameramann fotografiert worden, von Matthias Schellenberg ("Die fetten Jahre sind vorbei"). So erhält die Verschiedenheit fünf verschiedener Erzähl- und Inszenierungsweisen durch nur eine Haltung in der Visualität einen weiteren gemeinsamen Nenner. Neben dem zentralen Sujet - dem der Aussichtslosigkeit des Lebens.