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FRANKFURTER RUNDSCHAU - 31.10.2006
BERLINER ZEITUNG - 30.10.2006

FRANKFURTER RUNDSCHAU - Erscheinungsdatum 31.10.2006
Erfrieren im Rausch: Das deutsche Kino sehnt sich nach Unglück und Tabubrüchen - wenn seine Selbstdarstellung bei den 40. Hofer Filmtagen korrekt ist (von Rüdiger Suchsland)

Eine Stadt, genau 24 Stunden, fünf Geschichten. Die Österreichische Methode, ein Gemeinschaftsprojekt von fünf ehemaligen Kölner Filmhochschülern, der jetzt bei den Hofer Filmtagen Premiere hatte, verwebt fünf Geschichten und Schicksale mosaikartig à la Short Cuts zu einem gut funktionierenden, unprätentiösen und unterhaltsamen Film. Zugleich entsteht ein inspirierendes Porträt der deutschen Gesellschaft, freilich kein schmeichelhaftes. Alle hier sind irgendwie krank, verlogen, alle betäuben oder besaufen sich, und alle fünf Stories spielen in unterschiedlicher Form mit der Selbstmord-Thematik. Der Titel spielt auf ein Verfahren an, sich gehörig zu betrinken und dann in den Schnee zu legen, um auf sanfteste Weise zu entschlafen - solches Erkalten im Rausch ist hier durchaus auch als zeitdiagnostischer Befund zu verstehen. Kurzfilme und episodische Kompilationen wie Die Österreichische Methode waren oft interessanter als viele Spielfilme. Es passte perfekt, dass Alexander Kluge - als Kopf der Gründergeneration der Hofer Filmtage in deren 40. Jahr mit dem städtischen Filmpreis ausgezeichnet – zu Beginn den "Kurzfilm als Elementarform des Kinos" beschworen und das Episodische zur "angemessenen Form unserer Zeit" erklärt hatte.

BERLINER ZEITUNG - 30.10.2006 - Feuilleton - Seite 32
Wo sind die Geldkoffer? - Das deutsche Gegenwartskino bei den 40. Hofer Filmtagen (von Rüdiger Suchsland)

...die Kölner Kompilation "Die Österreichische Methode" und Felicitas Korns Spielfilm "Auftauchen" beeindruckten: Formal wagemutig zwischen ungewöhnlichem Gegenwartsporträt und Klischees lavierend, waren dies zwei Höhepunkte in einem Programm, das sonst aus eher vage bleibenden Ausbruchsversuchen bestand.
Beide Filme repräsentieren auch einen Thementrend im jungen deutschen Film: Die Koffer voller Geld und die Paare, die im Cabrio gen Sonnenaufgang düsen, sind verschwunden. Stattdessen sah man sich überraschend oft mit Krankheiten, Selbstmordversuchen oder aber exzessiven Fantasien im Krisengrau konfrontiert.