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FLUTER

Die Österreichische Methode - Komm, süßer Tod (von David Siems)

"Wenn du dich umbringen wolltest, wie würdest du es machen?", fragt Julia ihren Freund beim Gutenacht-Plausch im Bett. Der favorisiert die "Österreichische Methode": "Nachts volltrunken in den Alpen einschlafen und dann langsam sterben. Ich glaub', das ist ziemlich schmerzfrei."Von erstaunlicher Todessehnsucht handeln alle fünf Episoden in diesem Gemeinschaftsprojekt fünf ehemaliger Filmstudenten/innen, die ihre Geschichten zu einer gemeinsamen Handlung verwoben haben. Die Figuren sind fast alle um die 30, hübsch anzusehen und doch schwer geschlagen von sozialer Inkompetenz, emotional verhärtet oder desillusioniert von der Gewöhnlichkeit in ihrem Leben.

Wie in so vielen Dramen jüngerer Filmgeschichte steht auch hier die Unfähigkeit zur Kommunikation im Mittelpunkt. Wie bei der sprachlosen Julia (Maja Beckmann), die für Clara (Cathérine Seifert) illegal Insulin besorgen soll. Clara leidet an einem Gehirntumor und übt ungewollte Faszination auf ihr Umfeld aus. Maleen versucht derweil mit Ecstasy-Pillen ihren divenhaften Freund zu verunsichern, der die Liebe längst aufgegeben hat. Bei Hans (Johann von Bülow) und seiner Ex Mona (Julie Bräuning) ist vergangene Leidenschaft längst in kranken Hass umgeschlagen: Er hält sie ans Bett gefesselt, während sie in dieser amour fou ziemliche Kreativität bei ihren Suizidversuchen an den Tag legt.

Es ist ein pessimistisches Bild, das die fünf jungen Regisseure/innen hier vom gleichaltrigen Mittelstand zeichnen. Dennoch überrascht ihr Humor, der in der unmittelbaren Tragik liegt und oft wie eine Erlösung aus dieser deutschen Tristesse ist. Als Julia mit einer Kiste Bier in die Skihalle einbricht und im Kunstschnee liegend so lange säuft, bis sie einschläft, will sie endlich "ihre Abgründe erforschen". Stattdessen wird sie am frühen Morgen vom Personal geweckt, während DJ Ötzi vom Band die erste Hüttengaudi des Tages einläutet. Verwirrt fährt Julia nach Hause und kriecht fröstelnd zum ihrem schlafenden Freund ins Bett. Vielleicht möchte der Film als Durchhalteparole für alle Zweifler/innen verstanden werden: Haltet durch, der Freitod ist nur eine verlockende Dummheit. Wie inkonsequent allerdings, dass im Abspann ein Song des amerikanischen Indie-Musikers Elliot Smith läuft – der hat sich vor ein paar Jahren ein Messer ins Herz gerammt.