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PROGRAMMTEXT "DÜSSELDORFER FILMKUNSTKINOS" (von Kristina Karst)

Die Österreichische Methode
Deutschland 2006 – 93 Min. – Farbe – Regie: Florian Mischa Böder, Peter Bösenberg, Gerrit Lucas, Erica von Moeller, Alexander Tavakoli. Mit Maja Beckmann, Julie Bräuning, Susanne Buchenberger, Lilia Lehner, Cathérine Seifert, u.a.

Sich betrinken und dann im Schnee einschlafen und schmerzfrei erfrieren, das ist die sogenannte Österreichische Methode. Der gleichnamige Film verwebt fünf verschiedene Episoden um Abhängigkeit, der Suche nach Intensität und dem Spiel mit dem Leben. Innerhalb von 24 Stunden machen sich fünf Frauen Ende zwanzig auf die Suche nach ihren Abgründen, Grenzen und Süchten. Um sie herum kreisen Menschen, die sie vernachlässigen, sie unterdrücken oder ihnen Rettung anbieten.

Fünf Regieabsolventen der Kunsthochschule für Medien in Köln haben sich zusammengetan und einen Film geschaffen, der allen Fünfen Raum für die eigene inszenatorische Note gibt, der aber thematisch und cinematographisch (Kamera für alle Episoden: Matthias Schellenberg, ’Die fetten Jahre sind vorbei’) homogen bleibt. Die Episoden sind gekonnt zusammengeschnitten und erlauben dem Zuschauer, mehreren Handlungssträngen zu folgen.

Da ist zum Beispiel Julia (Maja Beckmann), eine scheinbar unscheinbare Frau, die sich ihres Lebens glücklich schätzen könnte, der aber die bisher gewonnen Erfahrungen nicht ausreichen und die noch immer auf der Suche nach Antworten und den eigenen Grenzen ist.
Im Gegensatz dazu leidet Clara (Cathérine Seifert) an einem Gehirntumor, dessen ihm unmittelbar folgende Ausweglosigkeit ihren Lebenswillen vertreibt. Niemanden will sie mehr an sich heranlassen, besonders nicht jetzt, wo sie beschlossen hat, ihrer Krankheit zuvor zu kommen. Und gerade da taucht Wolfgang (Carlo Ljubek) auf, dessen warmherzige Fürsorge sie nur noch mehr an ihre begrenzte Existenz erinnert.
Maleen (Lilia Lehner) fehlt in ihrer Beziehung die Intensität, die Bedeutsamkeit des Zusammenseins. Von der gegenseitigen Abhängigkeit geblendet, spricht das Paar kaum mehr miteinander, nur Taten bewirken noch etwas. So fangen die beiden an, mit den Gefühlen des anderen und mit dem eigenen Leben zu spielen.
Mona (Julie Bräuning) unterliegt der Willkür ihres psychopathischen (Ex–)Freundes, der sie in einem Zimmer seines Hauses gefangen hält. Die emotionale Distanz von ihr zu ihm ist unüberbrückbar, keine Fesseln der Welt können Liebe erzeugen.
Eva (Susanne Buchenberger) hat eine Therapie beendet und findet sich nun in einer emotionalen Abhängigkeit zu ihrem Psychologen wieder. Bei diesem und seiner Frau zum Essen eingeladen, ist sie nicht die einzige, für die der Abend eine Katastrophe wird.

Das Lebensgefühl, das vor allem von den starken jungen Schauspielern in den Episoden vermittelt wird, ist kein wirklich gutes, kein wirklich schönes. Zwischenmenschliche Beziehungen werden in ihrer destruktiven Form gezeigt, in denen die einzelnen Personen – von Eifersucht, mangelnder Bestätigung, Abhängigkeit und wirklicher Ausweglosigkeit getrieben – zu zerstörerischen Mitteln greifen. Aber in ein paar Momenten des Films wird auch klar, dass es eben doch ’der Andere’ ist, der neue Richtungen aufzeigen und Hoffnung geben kann. "Die Österreichische Methode" ist eine formal gewagte, irgendwie faszinierende Studie über die deutsche Gesellschaft, vor allem über ihre Endzwanziger, und das Verlangen nach zwischenmenschlichen Begegnungen von Bedeutung und Dauer und die Gefahr, Liebe mit Abhängigkeit zu verwechseln.